Galletti im Spiegel von Nachschlagwerken

Die Bekanntheit Gallettis im 19. Jahrhundert zumindest im deutschsprachigen Raum schlägt sich in Einträgen in allen möglichen Nachschlagewerken nieder; in allgemeinbildenden, wie dem weit verbreiteten Leipziger Konversationslexikon, ebenso wie in Fachlexika, wie in der Enzyklopädie der Wissenschaften und Künste. Dabei wird schon kurz nach seinem Tod nicht nur auf seine Leistungen als Historienschreiber eingegangen (die zudem - mit Ausnahme der Gothaischen Geschichte - bald als überholt bewertet werden), sondern auch auf seine Zerstreutheit und die damit verbundenen Aussprüche zwischen höherem Sinn und Unsinn. In Lexika des 20. Jahrhundert sucht man Galletti jedoch meist ebenso vergeblich wie in fremdsprachigen Lexika überhaupt. Einzige uns bekannte Ausnahme für letzteres ist das ungarische Pallas-Lexikon (1888), das aber gewiss deutsche Quellen verwendet hat (zu k. u. k. Zeiten ein üblicher Vorgang). 

Hier der Eintrag in Meyers Konversationslexikon, Eine Encyklopädie des allgemeinen Wissens, vierte Auflage, Leipzig, 1888-1889, Band 6, S. 857 [zur Online-Version]

Galletti, Johann Georg August, bekannter deutscher Geschichtschreiber, geb. 19. Aug. 1750 zu Altenburg, ward 1783 Professor am Gymnasium zu Gotha, 1816 herzoglicher Historiograph, Geograph und Hofrat. Nachdem er schon 1819 seine Professur niedergelegt, starb er 25. März 1828. Seine zahlreichen historischen Werke, welche sich beinahe über alle Zeiten und Länder erstreckten, aber nur ziemlich oberflächliche Bearbeitungen des damals bekannten Materials sind, können mit Ausnahme der "Geschichte und Beschreibung des Herzogtums Gotha" (Gotha 1779-81, 4 Bde.) als veraltet angesehen werden. Dagegen galt G. als ein Muster schulmeisterlicher Zerstreutheit, und seine durch unglaubliche Verwechselungen und Gedankenlosigkeiten überaus komischen Aussprüche sind unter dem Titel: "Gallettiana" von einem frühern Schüler (Parthey) gesammelt und herausgegeben worden (Berl. 1867).

Das gleiche Lexikon gibt zugleich die zeitgenössische Deutung der sogenannten Ana wieder (Band 1, S. 520):

Ana, als Endung zu einem Eigennamen gefügt, bezeichnet eine Sammlung von Aussprüchen, Witzworten, Urteilen, Notizen oder Anekdoten, welche den Träger jenes Namens entweder unmittelbar angehen, oder auf ihn als Quelle zurückgeführt werden. Sie können daher je nach der Bedeutung der Quelle und der Zuverlässigkeit der Überlieferung sehr wichtig sein, sowohl politisch als litterarisch, wie z. B. die "Menagiana" (P.ar. 1715, 4 Bdchn.), "Huetiana" (1722), "Walpoliana" (Lond. 1804), "Parriana" (Aussprüche Sam. Parrs, das. 1828-29, 2 Bde.), "Johnsoniana" (1836), "Boswelliana" (1874) u. a.
Diese Litteratur scheint zuerst in Frankreich mit den "Scallgerana" (Haag 1666-69, 2Tle.) aufgekommen zu sein; sie fand auch in Deutschland ("Taubmanniana", "Gallettiana" u. a.), Dänemark, Holland, England und Nordamerika Nachahmung und Glück, da sie sich vor der Zensur durch den großen Namen eines Verstorbenen sichern konnte. Auch Luthers Tischreden würden hierher gehören. Eine reiche Sammlung der A. gab Garnier (Par. 1789-91, 10 Bde.) heraus. Vgl. Ludewig, Le llv.ret des A. (Dresd. 1837 [...]).

Einen der umfangreichsten Einträge zu Galletti findet man in der Allgemeinen Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Section A-G, 53. Theil); Brockhaus Leipzig 1851. Der Eintrag ist vollständig wiedergegeben auf der Seite eckhart.de, einem historischen Internetportal zu und um den mittelalterlichen Theologen und Philosphen Meister Eckhart  aus Thüringen.

Das einzige uns bekannte allgemeinbildende fremdsprachige Lexikon mit einem Galletti-Eintrag ist das 16-bändige A Pallas Nagy Lexikon. Az Össezes Ismeretek Encyklopédiája (Das große Pallas-Lexikon. Die Enzyklopädie sämtlichen bekannten Wissens), 1893-1897 erschienen in Budapest. Die Verwendung eines deutschsprachigen Nachschlagwerks als Quelle ist ziemlich wahrscheinlich. [zur Online-Version in ungarisch]
Dank für die Hilfe bei der Überfahrt vom ungarischen zum deutschen Ufer gilt Christina Kunze [demnächst hier]

Galletti
János György Ágost, német történetiró, szül. Altenburgban 1750 aug. 19-én, megh. Gothában 1828 márc. 25-én. 1783-1819-ig mint tanár mûködött a gothai gimnáziumban, 1816-ban pedig a herceg udvari történetiróvá nevezte ki. Számos történelmi munkát irt, de ma már ezek mind elévültek. A professzori szórakozottságnak valóságos mintaképe volt s komikus katedrai bölcsességeit utóbb egyik tanítványa (Parthey) Gallettiana cim alatt kiadta (Berlin 1867).

Galletti
Johann Georg August, deutscher Historiker, geb. 19. August 1750 in Altenburg, gest. 25. März 1828 in Gotha, 1783-1819 Gymnasiallehrer am Gymnasium Gotha, 1816 vom Herzog zum Hofhistoriografen ernannt. Verfasste zahlreiche geschichtliche Abhandlungen, die aber alle bereits veraltet sind. Er war ein wahres Musterbild professoraler Zerstreutheit, und seine komischen Kathederweisheiten gab später einer seiner Schüler (Parthey) unter dem Titel Gallettiana heraus (Berlin 1867).

 

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